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Jugendtraum nach Studium verwirklicht – und Jahresbeste geworden


Viviane Grünewald hat eine hervorragende Meisterprüfung im Konditoren-Handwerk abgelegt


Am Samstag, 14. November 2015 wurden wieder über 500 junge Handwerkerinnen und Handwerker im Rahmen der diesjährigen Meisterfeier in den Meisterstand erhoben.
Die Jahresbeste dieses Jahres ist Konditormeisterin Viviane Grünewald aus Heidelberg. Sie hat nicht nur einen hervorragenden Abschluss mit exzellenten Noten erreicht, sondern auch einen ungewöhnlichen Lebenslauf.
Das war Grund genug für die Deutsche Handwerkszeitung, sich ausführlich mit ihr zu unterhalten. Im Beisein der – damaligen – Vorsitzenden der Meisterprüfungsausschusses für das Konditoren-Handwerk, Ute Ehret, dem Schulleiter Martin Schmidt und Abteilungsleiter Herbert Fritz von der Johannes-Gutenberg-Schule erzählt Viviane Grünewald aus ihrem Leben.


DHZ: Frau Grünewald, sind Sie ein Kurpfälzerin?
Grünewald: Ja, durchaus . Ich bin in Weinheim zur Schule gegangen, habe zeitweise in Heidelberg studiert, Ausbildung und Meister im Rhein-Neckar-Raum absolviert und arbeite zur Zeit in Deidesheim, also alles in der Kurpfalz angesiedelt.

DHZ: Haben Sie „handwerkliche Wurzeln“?
Grünewald: Nicht direkt, aber mein Vater war handwerklich schon immer sehr begabt und hat auch sehr viel in unserem Haus gemacht. Er ist allerdings kein Handwerker im eigentlichen Sinn. Der Bruder meines Vaters war im Elsass als Koch selbstständig tätig,  das hat mich schon als Kind sehr fasziniert.

DHZ: Haben Sie ein „Aha-Erlebnis“ in Ihrer Kindheit in Erinnerung, die in das Konditoren-Handwerk führt?
Grünewald: Ich habe schon früh sehr gerne Kuchen gebacken. Wenn in Weinheim Schülerflohmarkt war, dann habe ich dafür die ganze Woche über  Torten gebacken und Sandwiches mit selbstgebackenem Brot gemacht. Der Stand war übrigens immer sehr erfolgreich und hat mir viel Spaß gemacht. Allgemein hat mich meine Mutter in der Küche sehr viel ausprobieren lassen. Dieses Ausprobieren hat auch mein Talent gefördert.

DHZ: Wie ging es nach der Schule weiter?
Grünewald: Als es nach dem Abitur daran ging, sich entweder für ein Studium oder ein Handwerk zu entscheiden, war ich hin- und hergerissen. Einerseits fand ich das Theoretische an Wissenschaften wie der Ethnologie faszinierend und spannend, andererseits hätte ich auch gern etwas Praktisches und Lebensnahes gemacht, etwas mit meinen Händen, womit ich andere erfreuen kann.

DHZ: Sie haben sich für ein Studium entschieden…
Grünewald: …ja, denn viele meiner Freunde haben auch mit einem Studium begonnen. Und ich dachte, ich bin vielleicht für ein Handwerk mit dem Abiturzeugnis „überqualifiziert“.

DHZ: Wie verlief Ihre universitäre Laufbahn?
Grünewald: Begonnen habe ich in Heidelberg, , wo ich neben Ethnologie auch klassische Philologie studierte. Später ging ich nach Göttingen. Dort habe ich ein Studium der Sozialwissenschaften absolviert, eine Kombination aus vier Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, wobei ich meinen Schwerpunkt auf der Ethnologie Ozeaniens beibehalten konnte.

DHZ: Welche Möglichkeiten hätten Sie nach Ihrem Studium gehabt?
Grünewald: Ich hätte beispielsweise promovieren können. Das hätte mindestens noch einmal drei Jahre Zeit in Anspruch genommen. Aber nach vielen Monaten, die ich über der  Diplomarbeit gesessen bin, war das Theoretische für mich schon eine Hürde.  Und eine Stelle im deutschsprachigen Raum zu finden, ist gar nicht so einfach. Vielleicht promoviere ich ja eines Tages in kulinarischer Ethnologie und kann so Studium und Ausbildung vereinen… (lacht)

DHZ: Wie kam dann der „Sprung“ ins Handwerk?
Grünewald: Eigentlich habe ich schon während des Studiums überlegt: Vielleicht hätte ich doch erst eine Ausbildung im Handwerk machen sollen. Denn das Lebensnahe und Praktische hat mir im Studium immer wieder mal gefehlt. Allerdings dachte ich, dass man  für eine Handwerksausbildung irgendwann  zu alt wird. Die Leidenschaft zur Konditorei hielt mich aber noch immer gefangen, und ich träumte davon, vielleicht einmal ein eigenes Café zu haben.

DHZ: Wer hat Sie bestärkt?
Grünewald: Vor allem meine Schwester und mein damaliger Freund, mein heutiger Ehemann,  haben mich unterstützt und mich darin bestärkt, mir meinen Traum zu erfüllen. „Mach das doch. Probier‘ das aus. Wenn du das unbedingt machen willst, dann musst du das machen“, so lautete ihr Zuspruch.

DHZ: Was waren Ihre Bedenken zu dieser Zeit?
Grünewald: Natürlich dachte ich, ich bin zu alt für eine Ausbildung und überqualifiziert. Und außerdem wusste ich auch, dass man als Konditorin nicht so viel verdient. Man möchte ja auch von keinem anderen mehr abhängig sein. Im Vorfeld hatte ich mich viel informiert, auch darüber, dass man ein Café ohne Ausbildung aufmachen kann,  dann aber je nachdem einen Meister einstellen müsste. Da kam mir der Gedanke: wenn ich das wage, möchte ich selbst die Erlaubnis und Fähigkeit dazu haben.

DHZ: Wie haben Sie dann diesen Übergang vom Studium in die Lehrzeit erlebt?
Grünewald: Es war schon ein harter Cut und eine große Umstellung. Im Betrieb ging es eigentlich, aber in der Berufsschule waren die meisten 10 Jahre jünger und in einem ganz anderen Lebensabschnitt. Da habe ich dann doch schon ein bisschen gebraucht.

DHZ: Wie haben Sie Ihre Ausbildung erlebt?
Grünewald: Mir hat die Ausbildung – für mich eine ganz andere Welt – insgesamt gut gefallen. Ich glaube, mein Betrieb war zufrieden, denn ich habe schnell verstanden und Eigeninitiative entwickelt, was meinen Chef auch nicht gestört hat.
Die Befürchtung, dass man „nur“ Konditorin ist und damit auch ein sozialer Abstieg verbunden ist, das hat sich nicht bestätigt. Denn ich habe durchgehend nur positive Rückmeldungen erhalten, dass ich mich getraut habe. Ich glaube, insgeheim schlummert der Wunsch in manchen Leuten, dass sie beruflich selbst gern noch etwas anderes gemacht hätten.
Wobei ich schon auch sagen muss, dass der geringe Lohn als Konditorin in Anbetracht der Leistung, die man bringt, nicht immer fair erscheint, auch wenn er wirtschaftlich natürlich nachvollziehbar ist.

DHZ: Wie war das nach Ihrer Ausbildungszeit?
Grünewald: Die Gesellenprüfung legte ich nach 18 Monaten Lehrzeit ab. Auf Grund der langen Wartezeiten habe ich mich bereits am Ende der Ausbildungszeit dann schon für den Meisterkurs in Vollzeit der Johannes-Gutenberg-Schule in Heidelberg angemeldet.  Nach meiner Ausbildung hatte ich zunächst eine Gesellenstelle in Neustadt/Weinstraße, die allerdings – aus betrieblichen Gründen – nach ein paar Monaten wegrationalisiert wurde. Günstigerweise hatte sich die Warteliste für den Meisterkurs zu dem Zeitpunkt verkürzt, und in den verbleibenden Sommermonaten bis zum Beginn des Meisterkurses war ich dann noch in einer kleinen, sehr guten Konditorei in Schwetzingen. Diese Zeit habe ich als große Bereicherung empfunden, weil ich viel mitbekommen habe.

DHZ: Wie sah ihr Weg nach der Meisterprüfung aus?
Grünewald: Zuerst natürlich ein wenig Urlaub (schmunzelt). Danach habe ich in einem Sternerestaurant in Deidesheim begonnen.

DHZ: Was hat Sie an der Gastronomie gereizt?
Grünewald: Zum einen haben mich Großküchen schon immer fasziniert. Zudem wollte ich gerne in den Bereich der Tellerdesserts gehen, weil man das in der klassischen Konditorei nicht macht. Das Spiel mit unterschiedlichen Geschmacksvariationen und verschiedenen Konsistenzen, das wollte und will ich ausprobieren und lernen.

DHZ: Welche Ziele, welche Visionen haben Sie für sich?
Grünewald: Beruflich ist mein Ziel  die Selbstständigkeit in nicht allzu weiter Zukunft. Und wenn ich mich einmal tatsächlich selbstständig mache, würde  mein Mann mich auch dabei unterstützen. Er hat ja die Entscheidung für meinen Weg mitgetragen und begleitet. Vielleicht würde er sogar auch mitarbeiten, etwa im Büro oder im Kundenkontakt.

DHZ: Wenn Sie zurückblicken, was haben Sie aus Ihrem Studium mitgebracht in Ihre handwerkliche Ausbildung?
Grünewald: Ich habe gelernt, selbstverantwortlich und –organisiert zu arbeiten. Zudem bin ich wissbegierig und versuche zu reflektieren. Und ich habe mir schon immer bestmögliche Ziele gesetzt. Wenn ich eine „1“ erreichen kann, dann will ich mich mit einer „3“ nicht zufriedengeben.

Viviane Grünewald